Weihnachten, Version 1.2

Von Max Werschitz

Ursprünglich während meines Erasmus-Aufenthaltes in Manchester kurz vor Weihnachten 2003 auf Englisch geschrieben, Weihnachten 2011 auf Deutsch übersetzt, und schließlich Weihnachten 2018 nochmals überarbeitet.

Im Weihnachtswald (Felicitas Kuhn)
Im Weihnachtswald (Felicitas Kuhn)

WUNSCHZETTEL AN DAS CHRISTKIND
– Rollschuhe
– das gelbe Legoflugzeug
– eine Katze! (aber bitte nicht Mama sagen, die glaubt ich bin alärgisch!)

Als ich ein Kind war gab es keinen Weihnachtsmann. Oder zumindest wäre er mir nicht aufgefallen. Stattdessen brachte das Christkind, mit goldenen Locken und gutmütigem Lächeln, allen Kindern die Geschenke. Ich war mir aber nie ganz sicher wie das Christkind eigentlich aussah. Trotz der vielen Bilderbücher mit Weihnachtsgeschichten, die ich jedes Jahr aufs Neue verschlang, war es für mich eher eine vage Vorstellung, eine nicht näher definierbare Gestalt aus Licht, mit unerklärlicher Schönheit. Und ich konnte mir auch nicht wirklich vorstellen wie seine Stimme klingen würde.

Also nahm ich, ein unbeirrbar von sich selbst überzeugter Achtjähriger, mir eines frühen Dezembertages vor zu handfesten wissenschaftlichen Methoden zu greifen um meine Neugier endlich zu befriedigen. Ich beschloss mich an Heiligabend, kurz vor der Bescherung, unter dem Wohnzimmersofa zu verstecken, und so das Christkind auf frischer Tat zu ertappen.

Mir war klar dass dieses Vorhaben auf mindestens ein logistisches Problem stoßen würde: meinen Vater. Das Prozedere für den 24. war genau festgelegt. Zu Mittag schmückten wir gemeinsam im Wohnzimmer den Christbaum, dann wurde die Tür, die ein großes Glasfenster hatte, mit einer Decke verhangen und das Zimmer durfte nicht mehr betreten werden, damit das Christkind in Ruhe seine Geschenke abliefern konnte. Dies tat es natürlich immer erst ganz kurz vor der Bescherung (weil es ja auch die Kerzen am Baum anzünden musste, so erklärte ich es mir), also gleich nachdem wir von der spätnachmittäglichen Kindermesse zurückgekehrt waren. Mein Vater ging dann immer alleine ins Wohnzimmer, um zu überprüfen ob schon alles fertig war, dann läutete er mit einer kleinen Glocke, und schließlich durften wir alle zur Bescherung.

Ich musste also einen Weg finden um mich ungesehen hineinzuschleichen bevor das passierte. Ich verbrachte die nächsten Abende mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke, heimlich meinen Plan ausheckend, und kam mir dabei wie ein mutiger Abenteurer vor. 

Schließlich war Heiligabend endlich da, und ich war bereit. Nachdem wir – meine Eltern, meine beiden Großeltern und ich – von der Kirche zurückgekehrt waren und sich die anderen im Vorraum noch aus den dicken Winterjacken schälten und den Schnee von ihren Schuhen klopften, schlüpfte ich in Windeseile aus meinen Sachen, rief „Ich muss aufs Klo!“ und düste los. Mit einem Filzstift malte ich das kleine weiße Feld unter der Klinke, das anzeigte dass die Tür unverschlossen war, rot an, zog die Tür von aussen zu, drückte zur lückenlosen Tarnung auch noch auf die Schalter für Licht und Lüftung, und schnappte mir die zuvor auf einem Bücherregal im Gang versteckte Taschenlampe. Dann schlich ich ins Wohnzimmer. Dort musste ich erst Mal einen Moment stehenbleiben um Luft zu holen. Ich war so aufgeregt, dass ich komplett vergaß die Taschenlampe einzuschalten, stattdessen tastete ich mich im Dunklen zum Sofa und kroch darunter.

Bald darauf konnte ich die sich nähernde Stimme meines Vaters hören, der dem Rest der Familie wie immer sagte sie sollten warten während er nachschauen ging ob auch alles bereit war. Mein Herz fing zu rasen an. Papa, noch nicht, das Christkind war ja noch gar nicht da! Doch da öffnete sich auch schon die Tür, und zwei Füße in dicken Weihnachtssocken spazierten nur wenige Zentimeter vor meinem Gesicht vorbei. Ich geriet in Panik. Ich war zu langsam, ich habe das Christkind verpasst! dachte ich. Aber warum brennen dann die Kerzen nicht? In dem Moment ging das Licht an der Decke an, und ich konnte sehen dass keine Geschenke unter dem Baum lagen. Ich seufzte fast hörbar vor Erleichterung. Oh, das Christkind hat sich nur verspätet, und Papa wird einfach warten oder ihm vielleicht sogar helfen dürfen! Mein Blick richtete sich nun wie gebannt auf die Tür zur Terasse. Keine Regung. Oder kommt es durch das Fenster? Aber nichts dergleichen geschah. Stattdessen konnte ich hören wie mein Vater einen Schlüssel in das Schloß des großen Schranks am anderen Ende des Zimmers schob und umdrehte. Scharniere quietschten. Dann tauchten seine Füße wieder vor mir auf, und kurz darauf seine Hände, und in ihnen ein Stapel Geschenke, den er vorsichtig unter dem Baum deponierte. Meine Gedanken rasten. Was macht er da? Wo ist das Christkind? Warum hat es die Geschenke in diesen blöden Kasten gesperrt? Plötzlich drehte mein Vater sich um und ging genau auf mich zu. Er hat mich entdeckt! Doch anstatt sich unter das Sofa zu beugen stieg er auf es, und machte sich an dem Regal darüber zu schaffen. Mit der kleinen Glocke und einem Feuerzeug in der Hand stieg er wieder herunter und ging zurück zum Baum, zündete die Kerzen an, schaltete das Wohnzimmerlicht aus und öffnete die Tür.

Ich war total verwirrt. Wie in Trance kletterte ich aus meinem Versteck und hörte, dumpf als wäre alles am anderen Ende eines langen Tunnels, meinen Vater meine Mutter fragen ob ich schon wieder aus dem Klo gekommen war. Ich glaube in dem Moment wünschte ich mir ich wäre tatsächlich dort gewesen, auch wenn es keine besonders rühmliche Tätigkeit ist, in vermeintlicher Anwesenheit von Gottes Sohn gleich nebenan.

Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen als sich mein Vater schließlich umdrehte und mich in der Tür stehend entdeckte, die unbenutzte Taschenlampe immer noch in meiner Hand. Die Glocke läutete wie jedes Jahr, aber dieses Mal weil er sie vor Erstaunen zu Boden fallen ließ.

– Ein Jahr später –

WUNSCHZETTEL AN MAMA UND PAPA
– Rollerblades (Rollschuhe sind uncool)
– ein neuer Fußball
– das Indiana Jones Computerspiel
– mindestens drei neue Schreckenstein-Bücher
– und bitte bitte ich will eine Katze der Arzt ist blöd ich bin nicht allergisch!

– Viele Jahre später –

Ich hatte inzwischen nicht wirklich eine Ahnung an was die Kinder heutzutage glaubten – das Christkind, den Weihnachtsmann oder einfach die Kreditkarten ihrer Eltern. Eines wusste ich aber genau: obwohl ich nicht religiös war wollte ich unserer Tochter den Glauben an das Christkind, und vor allem an ein Weihnachtsfest das mehr bedeutet als Geschenke und ein brandschutztechnisch fragwürdigen Baum in der Wohnung, so lange wie möglich erhalten. Seit sie zwei Jahre alt war hatten also meine Frau und ich sichergestellt dass Heiligabend stets ein magisches Erlebnis für sie war. Das Ritual war dem aus meiner Kindheit sehr ähnlich, allerdings hatte ich mir ein paar Upgrades ausgedacht – für ein „Weihnachten Version 1.2“, sozusagen. 

Upgrade Nummer 1 war ein rotierender Lichtstrahler der sich per Fernsteuerung einschalten ließ, Nummer 2 eine Wohnzimmertür die ebenfalls mit einer großen Scheibe, aber aus Milchglas, versehen war, und Upgrade 3 ein Bündel von Vorsichtsmaßnahmen die dafür sorgen sollten dass unsere Tochter nicht allzu früh eine ähnliche Enttäuschung erleben musste wie ich. Gleich nach dem gemeinsamen Schmücken des Christbaumes legte ich also heimlich die Geschenke unter den Baum, platzierte den Lichtstrahler, und sperrte schließlich die Tür gut zu. Am Abend versammelten wir uns dann alle davor, und löschten bis auf zwei bereitgestellte Kerzen alle Lichter. Ich ging dann mit einer davon alleine in das Wohnzimmer um jene am Baum anzuzünden; das sei, so hatten wir unserer Tochter erklärt, das Zeichen für das Christkind dass wir bereit waren. Wieder zurück im Vorraum wartete ich ein wenig bis ich schließlich mit der Fernsteuerung für ein paar Sekunden den Strahler einschaltete. Während dessen Licht wie ein kleines Feuerwerk durch das Wohnzimmer tanzte und seinen Schein durch die Milchglasscheibe auf unsere erwartungsvollen Gesichter warf, glaubte manchmal sogar ich selbst dass da gerade das Christkind höchstpersönlich am Werk war. Schließlich ging ich als erster ins Wohnzimmer, läutete die kleine Glocke, und wartete auf den Rest meiner Familie.

Dieses Jahr sollte es nicht anders sein. Unsere Tochter war inzwischen acht Jahre alt, und ihr Glaube an das Christkind und dessen Besuch an Heiligabend unerschüttert. Wieder einmal standen wir – meine Frau, unsere Tochter, meine Eltern und ich – erwartungsvoll vor der Wohnzimmertür. Ich drückte den Einschaltknopf auf der Fernbedienung.

Nichts passierte.

Ich schluckte. Was ist da los? Sind die Batterien leer? Nein, die hatte ich extra vorher nochmal ausgewechselt und getestet. Ich drückte nocheinmal. Wieder nichts. Während unsere Tochter vor uns immer noch wie gebannt auf die Tür starrte, konnte ich in meinem Nacken förmlich spüren wie sich alle Augen mit fragenden Blicken auf mich richteten. Ich versuchte es nocheinmal, wieder ohne Ergebnis, und wurde immer nervöser. Auch unsere Tochter wurde langsam unruhig. Ich wusste nicht was ich machen sollte, überlegte fieberhaft was ich wohl am besten sage… Dann kam sie mir zuvor.

„Vielleicht kann das Christkind unser Haus nicht finden? Draußen schneit es ja so stark!“

„Ja, vielleicht.” Mehr fiel mir nicht ein. Ich begann völlig zu verkrampfen.

Sie drehte sich um und sah mich fragend an. „Und wenn wir es rufen? Vielleicht hört es uns und findet uns dann?“

Bevor ich etwas antworten konnte sagte von hinter mir mein Vater: „Ich glaube das Christkind würde sich sehr freuen wenn du ‘Stille Nacht’ singst, dann würde es uns sicher hören und wissen wo es hinkommen soll!“

Mir war alles recht was mir mehr Zeit zum Nachdenken verschaffte. Während sie sich wieder Richtung Tür drehte und mit der ersten Strophe begann, rasten die Gedanken in meinem Kopf. Was sollte ich tun? Ich kann jetzt nicht reingehen, ich habe ihr gesagt dass das Christkind unbedingt ungestört bleiben muss… Sie sang unbekümmert weiter. Es schien eine halbe Ewigkeit zu vergehen.

Mit einem Schlag hörte sie auf. „Schau Papa, es hat funktioniert, da ist es!“ Sie zeigte, freudig hüpfend, auf die Tür.

Und tatsächlich. Helles Licht tanzte durch das Wohnzimmer.

„Können wir jetzt hineingehen?“ fragte unsere Tochter, als es schließlich wieder erloschen war. Ohne auf meine Antwort zu warten nahm sie meine Frau und mich an der Hand und zog uns mit sich.

Ich war immer noch wie gelähmt. Heimlich verstaute ich die nutzlose Fernbedienung in meiner Hosentasche, sperrte die Tür auf und öffnete sie zaghaft. Als wir alle gemeinsam in das Wohnzimmer traten konnte ich meinen Augen nicht trauen: Der Lichtstrahler war weggeräumt, und auch alles andere sah so aus wie es sollte – bis auf die Terassentür, die einen Spalt offenstand. Während unsere Tochter auf die Pakete zustürzte standen wir anderen für einen Moment nur still da und bewunderten die sanft flackernden Kerzen auf dem Christbaum. Plötzlich hörte ich etwas hinter mir. Auch unsere Tochter drehte sich um und schaute in Richtung der Tür.

„Wo warst du, Opa?“

„Ich hab dringend aufs Klo müssen, hoffentlich ist mir das Christkind nicht böse.“ sagte er als er mit Spuren von Schnee auf seiner Hose, die nur ich zu bemerken schien, in den Raum trat, mir lächelnd eine kaputte Glühbirne in die Hand drückte und schnell eine große Taschenlampe unter dem Sofa verschwinden ließ.

Aufnerden Intro-Jingle gespielt von den Tuesday Microgrooves – Erste Probeversion

Aufnerden Biermikro

Eine kleine Preview und, äh, Prelisten für den “SciFi Cross Special Studiojam” morgen um 20:00 auf Radio Helsinki: die großartigen Tuesday Microgrooves spielen nicht nur live ein paar neu interpretierte Sci Fi Klassiker, sondern haben sich auch unseres Intro-Jingles angenommen. Hier die erste Probeversion; für die offizielle Aufnahme darf Max dann das charakteristische (viele sagen: nervige) Bier-Geräusch live einspielen, und das haben wir auch schon brav geprobt. Ein Hoch auf das offizielle Bier-Mikro! 😉

Auf Facebook gibt’s alle Infos zur Sendung; am 13. Juli 2017 geht dann Aufnerden S02E28, unser zweites großes Sommer-Special, online, dort wird u.a. der Mitschnitt in voller Länge integriert sein.

Weihnachtsgrußvideo mit Goodie-Package-Verlosung!

Liebe Hörer/innen von Aufnerden, liebe Nerds, wir haben uns vor die (Laptop)kamera gewagt 🙂 und wünschen Euch frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

Um uns für eure Treue zu bedanken verlosen wir ein “Aufnerden Season 1 Gäste Goodie Package” (Details in diesem Video auf Facebook). Wer teilnehmen möchte schreibe bitte einfach einen Kommentar unter den Facebook-Beitrag, am 31.12. geben wir die/den Gewinner/in ebenfalls dort bekannt.

Wir freuen uns schon 2017 wieder ordentlich für euch aufnerden zu dürfen – bis dann!

Die 10 besten Weihnachtsfilme – für Nerds und Normalos

(Von Max Werschitz). In fünf Tagen ist es so weit, dann steht das Christkind, der Weihnachtsmann, oder zumindest das übliche Verwandschaftschaos vor der Tür. Zeit sich nicht nur über letzte Geschenke und das Festtagsmenü den Kopf zu zerbrechen, sondern auch das Filmprogramm, das einem dann vielleicht den Abend rettet – oder zumindest die Abende bis dorthin versüßt. Halleluja!

10. Versprochen ist versprochen (Jingle All the Way, 1996)

Put that cookie down. NOW! Und put the tomatoes down – mickrige 17% hat der Film auf Rotten Tomatoes, und darf sich doch völlig ungeniert zu meinen besten 10 gesellen. Arnie jagt für seinen Filmsohn die angesagte Action-Figur der Saison (“It’s turbo time!”), gerät dabei mit mindestens zwei anderen Vätern in Konflikt und wird schließlich selbst zum Actionhelden. Satirische Konsumkritik eingepackt in mal mehr, mal weniger gelungenem Slapstick, mit Weihnachtsschleiferl drumherum – insgesamt eine erstaunlich runde Sache.

9. Die Geister, die ich rief (Scrooged, 1988)

Was wäre das Fest der Feste ohne Charles Dickens‘ A Christmas Carol? Diese Neuinterpretation des Klassikers mit Bill Murray als menschen- und weihnachtshassender TV-Produzent war schon 1988 irgendwie herrlich trashig und ist es mit 28 Jahren auf dem Buckel umso mehr. Für alle die enttäuscht vom diesjährigen Ghostbusters-Remake sind: einfach diesen hier anschauen, schließlich kriegt Billy es auch mit drei recht handfesten Geistern zu tun.

8. Bad Santa (2003)

Billy Bob Thornton als krimineller Kaufhausweihnachtsmann der nicht nur ein Problem mit Alkohol, sondern auch mit Kindern hat: der ideale Film für Feiertagszyniker. Fun fact: ursprünglich hätte Bill Murray die Hauptrolle übernehmen sollen, sagte jedoch ab um stattdessen Lost in Translation machen zu können. Mein größter Weihnachtswunsch: ihn einmal an einem Paralleluniversum-Heiligabend doch noch in beiden Filmen über den Fernseher flimmern zu sehen.

7. Edward mit den Scherenhänden (Edward Scissorhands, 1990)

Tim Burton, die erste: natürlich begleitet von seinem Lieblingsschauspieler Johnny Depp (für diese Rolle immerhin für einen Golden Globe nominiert), in dem Fall als künstlich erschaffener Mensch mit – Achtung, Spoiler – Scherenhänden. Mit diesen kreirt er in einer ikonisch flockenstrotzenden Szene verstörend schöne Eisskultpuren und schnippelt sich letztendlich nicht nur in das Herz von Winona Ryder sondern auch die Herzen des Publikums.

6. Stirb langsam (Die Hard, 1988)

Bruce Willis in der Rolle die ihn zur Action-Ikone einer ganzen Generation gemacht hat. Kein Weihnachtsfilm im klassischen Sinn, aber Heiligabend nur mit einem Unterleiberl bekleidet in einem Hochhaus in Los Angeles umringt von Terroristen zu verbringen hat auch mal was. Und am Ende stürzt nicht nur der Bösewicht vom Hochhaus sondern fällt auch Schnee vom Himmel.

5. Batmans Rückkehr (Batman Returns, 1992)

Tim Burton, die zweite: im frostigen Gotham City heizen der Pinguin, Catwoman und der skrupellose Millionär Max Shreck dem „dark knight“ kurz vor Weihnachten so richtig ein. Obwohl Christopher Nolans aktuelle Neuinterpretation der Batman-Franchise eigentlich unschlagbar gut ist bleibt dieser zweite nennenswerte Batman der Filmgeschichte ganz oben auf meiner All Tim, äh, All Time Favourite-Liste. Neben der düster-weihnachtlichen visuellen Stimmung hat(te) es mir vor allem der geniale Soundtrack von Danny Elfman angetan.

4. Rare Exports (2010)

Die spinnen, die Finnen! Und das ist auch gut so. In der ungewöhnlichen Horror-Komödie von Jalmari Helander muss der Weihnachtsmann zu späteren Verkaufszwecken erst mal aus einem Berg ausgebuddelt werden. Dass es vielleicht einen guten Grund gibt warum er da überhaupt drin war dürfen vor allem die Anrainer der wahnwitzigen Aktion am eigenen Leib erfahren. Und was war nochmal mit diesen riesigen Hörnern? Ein festlicher Spaß, allerdings nichts für schwache Nerven.

3. Tatsächlich Liebe (2003)

„Whenever I get gloomy with the state of the world, I think about the arrivals gate at Heathrow Airport. General opinion’s starting to make out that we live in a world of hatred and greed, but I don’t see that. It seems to me that love is everywhere. Often it’s not particularly dignified or newsworthy, but it’s always there – fathers and sons, mothers and daughters, husbands and wives, boyfriends, girlfriends, old friends… When the planes hit the Twin Towers, as far as I know none of the phone calls from the people on board were messages of hate or revenge – they were all messages of love. If you look for it, I’ve got a sneaking suspision love actually is… all around.“

Man kann von Love Actually halten was man will – unbestreitbar ist meiner Meinung nach dass Autor und Regisseur Richard Curtis damit handwerklich gesehen ein kleines Meisterwerk abgeliefert hat. Nicht weniger als 10 Geschichten mit fast 30 Charakteren deren Schicksale im vorweihnachtlichen London sich schlußendlich zu einem romantischen Wohlfühlpackerl verschnüren – einfach großartig. Zugegeben, aus diesem Packerl tropft der Kitsch wie das Wachs vom Adventkranz, und ganz unten am Boden lungern einige reichlich dämliche Sager und Szenen herum, das ändert für mich jedoch nichts an der Qualität der Gesamtkomposition. Vor allem der Humor (aber auch die nötige Portion Melancholie) kommt nicht zu kurz, und das Ganze wird von einer sensationellen SchauspielerInnenriege getragen, allen voran wohl Bill Nighy als abgehalfterter Rockstar („Christmasss is all around you…“) und Emma Thompson als betrogene Ehefrau. (Und Rowan Atkinson in einem Gastauftritt als Juwelierverkäufer!). Wie dem auch sei: wenn am Ende das wundervolle „God Only Knows“ der Beach Boys erklingt und sich die Geschichten der ProtagonistInnen mit unzähligen unerzählten weiteren Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes zu einem großen Mosaik vermischen wird es bei mir jedes Mal warm ums Herz und feucht um die Augen.

2. Ist das Leben nicht schön? (It’s a Wonderful Life, 1946)

„Strange, isn’t it? Each man’s life touches so many other lives. When he isn’t around he leaves an awful hole, doesn’t he?“

Dieser Klassiker ist im Internet auf den meisten Top 10 Weihnachtsfilme-Listen an erster Stelle. Und auch wenn er es bei mir nicht auf Platz 1 geschafft hat kann ich der allgemeinen Meinung nicht widersprechen: es ist tatsächlich einer der besten aller Zeiten, laut dem American Film Institute sogar einer der 100 besten amerikanischen Filme überhaupt. Das Schicksal des gutmütigen, vielfach leidgeprüften George Bailey (James Stewart), der am dunkelsten Punkt seiner Existenz kurz vor einem Selbstmordversuch steht und daraufhin durch einen Engel die Chance erhält zu sehen wie das Leben seiner Familie und Freunde, ja seiner ganzen Gemeinde verlaufen wäre wenn es ihn nicht gegeben hätte, hat seit über einem halben Jahrhundert unzählige Menschen berührt. Es ist eine Liebesgeschichte, eine Familienchronik, ja fast ein historisches Stadtepos – und verpackt eine Vielzahl von zeitlosen Botschaften in eine wundervoll weihnachtliche Tragikomödie mit lange ersehntem und durchwegs verdientem Happy End. Wem da nicht die Tränen kommen, der hat kein Herz.

1. The Nightmare Before Christmas (1993)

„It was a long time ago, longer now than it seems. / In a place that perhaps you’ve seen in your dreams. / For the story that you’re about to be told / began with the Holiday Worlds of old. / Now you’ve probably wondered where holidays come from / If you haven’t, I’d say it’s time you begun!“

Tim Burton, die dritte – tja, Anfang der 90er hat er halt noch gute Filme gemacht. Er hat bei diesem zwar nicht Regie geführt, aber war Drehbuchautor, Produzent, und so ziemlich jedes Detail trägt unverkennbar seine Handschrift – Burton at his best. The Nightmare Before Christmas ist ein teils bitterböser aber ungemein verspielter und liebevoll gemachter Film über Weihnachten UND Halloween, er ist ein hochkomisches und tiefberührendes Musical (genial: Danny Elfman), und das Ganze noch in Stop Motion – einfach unschlagbar. Kurz zusammengefasst erzählt er die Geschichte von Jack, Anführer des „Halloween Land“, der in einer Sinnkrise seine magische Welt verlässt und zufällig im „Christmas Land“ landet. Nach seiner Rückkehr glaubt er seine Bestimmung gefunden zu haben: Sandy Claws, äh, Santa Claus zu entführen und dieses Jahr an seiner Stelle das Kommando über das Weihnachtsfest der Menschen zu übernehmen. Das geht natürlich gewaltig schief – aber gerade deswegen ist dann der Epilog des Films (der eigentlich im Film nicht vorkommt, jedoch auf der Soundtrack-CD zu finden ist) so berührend (gesprochen von Patrick Stewart!)

That’s it folks… frohe Weihnachten jetzt schon mal!

Jubiläumsgrüße vom Aufsteirern 2016

Eine kurze Grußbotschaft samt zünftiger Hintergrundmusik vom Grazer Aufsteirern, dem Festival das uns vor fast genau einem Jahr dazu inspiriert hat unseren Podcast ‘Aufnerden’ zu nennen. Am 5. Oktober feiern wir dann unseren ersten Geburtstag und dann geht’s auch schon mit Volldampf in die Season 02. Danke an alle Zuhörer/innen und Wegbegleiter/innen!

Aufnerden beim Aufsteirern 2016
Aufnerden beim Aufsteirern 2016

Aufnerden goes Crossing Europe

Morgen geht in Linz das 13. Crossing Europe zu Ende, das die oberösterreichische Landeshauptstadt mit 162 Filmen aus 35 Ländern 6 Tage lang zum Mekka für internationale Kinonerds machte. Wir vom steirischen Aufnerden begeben uns ja normalerweise in fremde Galaxien, aber warum in die Ferne schweifen wenn das Gute so nah liegt? Crossing Bundesländergrenzen for Crossing Europe! Und so wagte ich (Max) mich auf eine anderthalbtägige Aussenmission – beam me down, SCOTTY (Achtung Wortwitz, so heißt die App der ÖBB, die wie immer bei der Reiseplanung gute Dienste leistete. Hm, vielleicht spendieren uns die Österreichischen Bundesbahnen anläßlich dieser schamlosen Werbung das Bier für die nächste Aufnahme… Thomas? OK, ich schweife ab).

Anderthalb Tage sind natürlich nicht viel Zeit angesichts der gebotenen Programmfülle, und bei dem glücklicherweise sagenhaft schönen Wetter diese Woche wollte ich mir natürlich auch ein paar Stadterkundungsspaziergänge nicht entgehen lassen, aber drei hervorragende Filme aus drei Ländern sind sich ausgegangen, einer sogar mit ein so etwas wie Sci Fi-Touch (huzzah!).

Krigen (A War)

'Krigen' (Foto: Constantin Film Österreich)
‚Krigen‘ (Foto: Constantin Film Österreich)

Aus Dänemark, und vermutlich der bekannteste Beitrag im Festivalprogramm, immerhin wurde er für den diesjährigen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Bekannt auch der Hauptdarsteller, Pilou Asbæk, der in der Serie ‘Borgen’ den Spin Doctor der Premierministerin verkörperte. Hier schlüpft er in die Rolle des dänischen Offiziers Claus Pederson, mit seiner Einheit auf mehrmonatigem Afghanistan-Einsatz, zuhause warten die Ehefrau und drei Kinder. Bereits psychisch angeschlagen fällt er unter schwerem Beschuß und mit einem verletzten Kameraden an seiner Seite eine verhängnisvolle Entscheidung, aufgrund der er abberufen und in Kopenhagen vor Gericht gestellt wird. Drehbuchautor und Regisseur Tobias Lindholm gelingt damit ein hochaktuelles und realistisches Drama rund um Krieg, Familie, Schuld und Verantwortung.

Krigen hatte beim Crossing Europe in der OmU-Fassung Österreichpremiere und ist jetzt auch im regulären Kinobetrieb und synchronisiert zu sehen – sollte man sich nicht entgehen lassen!

Heimatland

'Heimatland' (Foto: WIDE MANAGEMENT)
‚Heimatland‘ (Foto: WIDE MANAGEMENT)

Aus der Schweiz, und in mehrfacher Weise höchst ungewöhnlich: Gleich zehn junge AutorenfilmerInnen stellen sich hier die Frage wie ihre Heimat reagiert wenn plötzlich eine unerklärbare, bedrohliche Sturmwolke auftaucht und nach und nach das ganze Land bedeckt. Der Film folgt unterschiedlichsten Charakteren auf ihrer ebenso physischen wie psychischen Reise durch den nationalen und ganz persönlichen Ausnahmezustand, und fügt sich zu einem hochprofessionellen ästhetisch-dramaturgischen Gesamtwerk zusammen. Besonders pikant: am Ende schließt die Europäische Union vor den empörten eidgenössischen Flüchtlingen die Grenze, da helfen dann auch die mitgebrachten Geldscheinbündel nix mehr.

‘Heimatland’ hatte ebenfalls beim Crossing Europe Österreichpremiere und ist bis mindestens August 2016 bei diversen Filmfestivals zu sehen – ob er hierzulande ins reguläre Programm kommt ist ungewiss, ich fand ihn jedenfalls großartig und ein größeres Publikum hätte er sich zweifelsfrei verdient.

Unten

'Unten' (Foto: Djordje Čenić)
‚Unten‘ (Foto: Djordje Čenić)

Aus Österreich, und mein persönlicher Liebling unter den drei Filmen. Djordje Čenić, 1975 in Linz als “Gastarbajterkind” geboren, begibt sich auf eine sympathisch authentische autobiografische Zeitreise zwischen Kroatien und Österreich, Persönlichem und Politik, zwischen Heimaten, Identitäten, Nostalgie und Zukunft. Home videos aus den 90ern mischen sich mit Fotos, Nachrichtenclips und professionell gefilmten aktuellen Aufnahmen, unter ihnen viele spannende Gespräche mit Verwandten und Freunden. ‘Unten’ ist manchmal tragisch, oft komisch, aber immer mit einer großen Portion Herz, und nimmt die Zuseher/innen wie eine erweiterte Familie mit in Čenićs Welten in denen er stellvertretend eine ganze Generation portraitiert.

‘Unten’ feierte beim Crossing Europe Weltpremiere, ähnlich wie bei ‘Heimatland’ ist unklar ob er regulär ins Kino kommt, ich würde es ihm sehr wünschen. Für alle jetzt ganz Neugierigen gibt es inzwischen immerhin eine Episode des Podcasts TermiTinitus bei der Djordje Čenić zu Gast ist.

Preview für S01E02: Play it again, Sam

Habt ihr auch das Gefühl dass es im Kino nur mehr Remakes, Reboots, Reimaginations, Prequels und Sequels gibt? Kommt euch alles schon ein bisserl ZU retro vor? Uns auch. Diesem Thema wollen wir uns in unserer zweiten Episode, die passenderweise am 21. Oktober 2015, also dem ‘Back to the Future Day’ erscheint, ausführlich widmen.

Als Einstimmung dazu der folgende kurze Artikel mit dem Titel “Play it again, Sam” den ich (Max) im März 2013 für kinomo.at bzw die Grazer ÖH-Zeitschrift ‘Libelle’ verfasst habe. Viel Spaß beim Lesen und wir freuen uns jetzt schon über Fragen, Kommentare und Diskussionsanregungen auf unserer Facebook-Seite!

Zuerst wollte ich ja nur etwas über Remakes schreiben. Seit Beginn des neuen Jahrtausends hatten diese gefühlsmäßig etwas überhand genommen; als erstes aufgefallen war mir die Wiedergeburtswelle der 70er/80er Horror-Klassiker (Texas Chainsaw Massacre, Nightmare on Elm Street, Romeros Zombiestreifen, etc), doch es blieb nicht genrespezifisch: plötzlich war da auch ein neuer Planet der Affen, ein neuer Untergang der Poseidon, ein neuer Kampf der Titanen… vielgeliebte Kindheitserinnerungen, für eine neue Generation neu aufbereitet. Ich musste unweigerlich an eines der Leitmotive aus der großartigen Serie Battlestar Galactica denken: „All this has happened before, and all of it will happen again“. Ich meine natürlich die Serie von 2004, nicht das 1978er Original. Und muss somit zugestehen dass Remakes nichts per se Schlechtes sind.

Kaum hatte ich mich an den Gedanken gewöhnt, ging es erst so richtig los. Und schon redete auch keiner mehr von Remakes, die neuen Zauberwörter hießen ‚Reimagination‘ und ‚Reboot‘: J.J. Abrams nahm sich 2009 Star Trek (und 2015 Star Wars, welch Ironie) vor, Marc Webb durfte Spider-Man nur 5 Jahre nach Sam Raimis letztem Teil wieder auf die Nachbarschaft loslassen, und auch Christopher Nolans prägende Batman-Trilogie, selbst schon ein Reboot, wird bald neubestiefelte Nachkommen haben.

Aber nach etwas Recherche musste ich feststellen dass all das nur ein Teil eines repetitiven kulturellen Gesamtphänomens ist. Schauen wir uns doch mal die globale Box Office Top Ten des letzten Jahres an: The Avengers, Skyfall, The Dark Knight Rises, The Hobbit, Ice Age: Continental Drift, The Twilight Saga: Breaking Dawn Part 2, The Amazing Spider-Man, Madagascar 3, The Hunger Games und Men in Black 3. Fällt euch was auf? Ja, es ist der zuvor bereits erwähnte Spider-Man dabei, ein einziges Remake also, keine große Sache. Doch das eigentlich Interessante sind die neun anderen: fünf Sequels, drei Literaturverfilmungen (zumindest falls man auch Stephenie Meyers pubertäre Schreibtherapie als „Literatur“ bezeichnen will), und eine Comicverfilmung. Fazit: Streng genommen kein neues Material.

Gut, das könnte natürlich ein statistischer Ausreißer sein. Wie sah es also davor aus? Tja, in den jährlichen Top 10 hat das Verhältnis von bekannt (Remake, Sequel, Literatur- oder sonstige Quellenverfilmung) zu neu schon lange eine ziemlich gewaltige Schlagseite: 10:0 (2011), 9:1 (2007), 8:2 (2010, 2006), 7:3 (2008, 2005, 2003, 2002, 2001), 6:4 (2009, 2004). Und 2013 wird nicht anders: garantierte Kassenschlager mit Begleitnummer wohin das Auge reicht (u.a. Fast and Furious 6, Die Hard 5, Iron Man 3, The Hangover 3, Kick-Ass 2), Superman wird wieder mal in ein neues Kostüm gezwängt, und sogar der Zauberer von Oz bekommt eine Vorgeschichte.

Da stellt sich natürlich die Frage: Hollywood, warum diese Einfallslosigkeit? Und wer ist verantwortlich dafür – die Produzenten, die dem Publikum immer den gleichen Fraß vorsetzen, oder das Publikum selbst, weil es diesen so bereitwillig in sich hineinstopft? Für beide Seiten scheint jedenfalls zu gelten: lieber bei Bewährtem bleiben.

Die amerikanische Blockbustergeburtsklinik ist kostspielig und damit risikobehaftet. Denn sie muss unter enormem Konkurrenzdruck (nicht nur aus der eigenen, sondern inzwischen auch vielen anderen Medienbranchen) um das Wohlwollen eines Konsumenten kämpfen der statistisch ohnehin nur 4x (in den USA, in Österreich sogar nur 2x) im Jahr ins Kino geht. Und so behandelt der durchschnittliche Großstudioverantwortliche den durchschnittlichen Kinobesucher, ähnlich wie der Neoliberale das Finanzkapital, wie ein scheues Reh das man auf keinen Fall verschrecken darf. Und fährt auf dem hauptabendlichen Mainstreamhighway eben lieber ohne Fernlicht. Die Gefahr, eventuellen Wildwechsel zu spät zu sehen ist minimal – das Massenpublikum ist eine Herde Wiederkäuer die brav auf der heimischen Wiese bleibt.